Offener Brief an den WDR

Sehr geehrte Frau Diana Ahrabian,
sehr geehrte WDR- Redakteure,

als Fan- und Förderabteilung des DSC Arminia Bielefeld e.V. wenden wir uns gegen Ihre pauschalisierende und subjektive Berichterstattung anlĂ€sslich des AuswĂ€rtsspiels des DSC Arminia Bielefeld beim MSV Duisburg, welche Sie am Montag, 12.10.2009 ab 18.05 Uhr unter dem Titel „Die Hooligan- Cops“ ausgestrahlt haben.

Sie stellen eine vollkommen friedliche und positive AuswĂ€rtsfahrt als Gefahr dar, erwĂ€hnen mit keiner Silbe die gute Fanarbeit innerhalb des Vereines und die auch im Vergleich zu anderen Vereinen hohe Selbstregulierung innerhalb der Bielefelder Fanszene. Als ASC sind wir im Rahmen der ZukunftswerkstĂ€tten der Daniel- Nivel- Stiftung aktiv in die BemĂŒhungen zum Abbau der Feindbilder auf Fan- und Polizeiseite involviert. Mit Ihrem Bericht schĂŒren Sie hingegen unnötigerweise – bewusst oder unbewusst – Vorurteile und schaden so den deeskalierenden Bestrebungen auf Fan- und Polizeiseite, dem Fußballsport an sich und dem DSC Arminia Bielefeld im Speziellen.

Mit der Art und Weise, wie Sie Bild und Kommentar kombinieren, inszenieren Sie eine verzerrte AtmosphĂ€re, die den Zuschauer irrefĂŒhrt und mit der Darstellung realer Intentionen und Stimmungen der videographierten Fans nur selten ĂŒbereinstimmt.

AuffĂ€llig ist besonders die undifferenzierte Nutzung der Begriffe „Hooligan“, „Ultra“ und „Fan“, die Sie vom vorherbestimmten Zweck der Reportage abhĂ€ngig machen und leider nicht von der realen Gruppenzugehörigkeit der gezeigten Personen.

Wir als ASC erleben die Bielefelder AuswĂ€rtsfahrer regelmĂ€ĂŸig als emotional, vereinsorientiert und familienfreundlich. Die AuswĂ€rtsfahrer sind hierbei auch keine, wie durch Ihren Bericht suggeriert, homogen-gewaltbereite Gruppe, sondern bilden ein vielschichtiges, reprĂ€sentatives Abbild der Gesellschaft.

Ultraorientierte Fans („Ultras“ gibt es in Bielefeld seit 2004 nicht mehr) sind selbstverstĂ€ndlich bei AuswĂ€rtsfahrten des DSC ebenfalls dabei, um Arminias Mannschaft auch in fremden Stadien lautstark und farbenfroh zu unterstĂŒtzen und einen Beitrag zu einem erfolgreichen Saisonverlauf des DSC zu leisten.

Die in Ihrem Bericht geĂ€ußerte Behauptung, Ultras seien per se „sehr gewaltbereit“ und der „Hooligannachwuchs“, ist jedoch schlicht als falsch und verleumderisch zu bezeichnen. Ebenfalls entspricht die Gruppe der Hooligans insbesondere in Bielefeld mitnichten dem mediengemachten Einheitsbild, welches auch Sie den Zuschauern in ihrer Reportage vermitteln. Eine realitĂ€tsnĂ€here Berichterstattung scheitert leider viel zu oft an der mangelhaften Sachkenntnis und Recherche der verantwortlichen Redaktionen sowie der mehr als fragwĂŒrdigen, vorgefertigten Zielsetzung der Reportagen.

Dass es am Rande von Spielen zu verbalen und gelegentlich zu physischen Auseinandersetzungen kommt, bestreitet niemand. Dennoch entbindet Sie dies nicht von der journalistischen Pflicht zur sorgfÀltigen Recherche: Jeden 20-jÀhrigen pauschal als gewaltsuchenden Ultra und jeden 40- jÀhrigen als gefÀhrlichen Hooligan zu bezeichnen, wird den qualitativen Anforderungen an Ihren Berufsstand nicht gerecht.

Insbesondere fĂŒr die Mitglieder und Fans des DSC verwehren wir uns einer solch verleumderischen Darstellung. Jede falsche Darstellung kann den gefilmten Personen erheblichen Schaden im beruflichen und privaten Umfeld zufĂŒgen, was Sie mit Ihrem Beitrag fahrlĂ€ssig in Kauf nehmen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie seien durch Zufall in Ihren Beitrag geraten, unter 20 oder ĂŒber 40 und ihrem szeneunkundigen und fußballdesinteressierten Personalchef als „Ultra“ oder „Hooligan“ im Sinne des Medienbildes vorgestellt worden. Kein schöner Gedanke, oder?

Sie schĂŒren mit Ihrem Beitrag Feindbilder, die Sie selbst anprangern.

Da leider ein erheblicher Teil der Medienberichte ĂŒber Fangruppen derart aufgebaut ist, dass Tatsachen verfĂ€lscht und reißerisch im Schubladendenken dargestellt werden, ist deutschlandweit eine hohe Abneigung gegen Medienanfragen zu Reportagen wie der Ihrigen zu verzeichnen. Diese ablehnende Haltung resultiert mitnichten aus geplanten oder stattfindenden Straftaten, wie Sie Glauben lassen möchten, sondern primĂ€r aus den Ergebnissen, die aus der Kooperation mit den meisten Medienvertretern hervorgehen. Dies haben Sie nachweislich bereits bei Ihren BemĂŒhungen, spektakulĂ€re Bilder fĂŒr einen Klischeebeitrag zu ergattern, erfahren mĂŒssen. Zudem ist Ihr Bericht ein erneutes Beispiel einer Falschdarstellung, durch den weitere Kooperationen fĂŒr Fans noch unerwĂŒnschter werden.

Sie haben bei der Erstellung des Berichts eine große Chance vertan: Sie hĂ€tten einen Beitrag zu mehr ObjektivitĂ€t und Vertrauen leisten können, zum Abbau der Feindbilder; hĂ€tten vereins- und fanorganisationsĂŒbergreifende Zusammenarbeit hervorheben können; hĂ€tten Sicherheitsvorbesprechungen und den deeskalierenden Beitrag szenekundiger Beamter in den AuswĂ€rtsstĂ€dten und -stadien aufzeigen können und damit eine wertvolle und richtungsweisende Reportage erarbeiten können.

Stattdessen pressen Sie einer vorbildlichen AuswÀrtsfahrt mit aller Macht den Stempel des Gewalt und Randale suchenden Gefahrguttransports auf. Wo in diesen 15 Minuten der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag wiederzufinden ist, bleibt daher vorerst Ihr Geheimnis.

Wir möchten Sie gern zu einem informellen Treffen einladen, um Ihnen nach dem 18.09.2009 sowie dem 26.09.2009 erneut das wahre Gesicht des DSC Arminia Bielefeld sowie seiner Mitglieder und Fans aufzuzeigen. Zu diesem Treffen sollten Ihre Kameras in jedem Fall ausgeschaltet bleiben, bis Sie die nötigen Hintergrundinformationen recherchiert haben, die eine objektive und differenzierte Berichterstattung zulassen.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,

Vorstand Fan- und Förderabteilung, Arminia Supporters Club

UnterstĂŒtzt von:
Team Fanpolitik im Arminia Supporters Club
Aktive Mitglieder des Arminia Supporters Club
Fan- AG DSC Arminia Bielefeld
Fan-Projekt Bielefeld e.V.
Fanclub- Dachverband, Schwarz- Weiss- Blaues Dach e.V.
Kritische Arminen

 

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