Am 14. November trafen sich in Bielefeld die Mitglieder der Interessengemeinschaft Unsere Kurve zu ihrem 21. Bundestreffen. Eingeladen waren zudem Offizielle des DSC, um sich einen persönlichen Eindruck der Organisation bilden zu können sowie sich den Mitgliedern vorzustellen.

Zu Beginn des Treffens stand der Austausch zwischen Unsere Kurve und eingeladenen Verantwortlichen des DSC Arminia Bielefeld, Hans- Hermann Schwick (Präsident), Albrecht Lämmchen (Präsidium) und Heinz Anders (Geschäftsführer), im Vordergrund. Hierbei war sowohl die nur wenige Tage zurückliegende Sitzung der DFL inklusive der Abstimmung über die 50+1- Anträge als auch die interne Struktur des DSC von besonderem Interesse.

In Bezug auf die DFL-Sitzung konnte Heinz Anders persönliche Eindrücke wiedergeben, die die deutliche Ablehnung einer Abschaffung von „50+1“ untermauerten. Unter den Lizenzvereinen wird es auf absehbare Zeit keinen Konsens zu einer Veränderung geben, sodass nun abgewartet werden muss, ob Martin Kind die angekündigte gerichtliche Klärung anstrengen wird. Von allen Beteiligten wurde dies als wahrscheinlich angesehen, insbesondere im Hinblick auf die bisherige Vehemenz, mit der er sein Anliegen trotz großen Widerstands verfolgt hat. Von allen Argumenten „pro 50+1“ erscheint das Solidaritätsprinzip der Ligen am ehesten geeignet, ihn zu einem Umdenken zu bewegen.

Im Hinblick auf die innere Struktur des DSC interessierten sich die Unsere Kurve- Mitglieder besonders für die praktische Handhabung der Trennung zwischen Verein und Kapitalgesellschaften. Durch die einzig in Vereinsbesitz befindlichen Anteile ist eine ganz strikte Trennung bisher nicht angestrebt worden, sondern vielmehr eine partnerschaftlich orientierte, effiziente Zusammenarbeit gefördert worden. Die theoretischen Diskussionen zeigten jedoch, dass durch potentielle Anteilsverkäufe ein deutlich gewinnorientierteres Interesse zu erwarten wäre und für viele bisher auf kurzem Dienstweg erledigte Problemlösungen zusätzliche Aspekte mit eher bürokratischem Charakter zu berücksichtigen wären.
Weiterhin wurde die Entwicklung nach der Jahreshauptversammlung positiv hervorgehoben, die innerhalb des Vereines bereits spürbare Veränderungen bewirkt hat und zukünftig auch in der Öffentlichkeit stärker wahrnehmbar werden wird.
Insgesamt war dieser Einstieg in das Bundestreffen sehr offen und von gegenseitigem Interesse geprägt, sodass aus den hierfür eingeplanten 60 Minuten gute 90 Minuten Diskussion wurden.

Im weiteren Verlauf war erneut 50+1 ein zentrales Thema. Die deutliche Entscheidung der DFL für den Erhalt der Regel kann als klarer Erfolg der Fanbasis und des deutschen Fußballs gewertet werden, wenngleich sie lediglich ein Etappenziel darstellt. Da die rechtliche Lage trotz dieser Abstimmung noch nicht geklärt ist, wird Unsere Kurve sich weiterhin auf allen zur Verfügung stehenden Wegen für 50+1 einsetzen.

Positives gab es zudem im Bereich der europäischen Lizenzierung zu berichten. Nach der Einbeziehung von Fanvertretern in die Entwicklung der Lizenzbedingungen wurde mit Brian Lomax ein starker Fanvertreter von der UEFA in das CFC- Panel berufen. Brian war bereits in den 90er Jahren Mitbegründer des ersten Supporters Trust in England und war unter anderem 4 Jahre Vorstandsvorsitzender der vereinsübergreifenden Fanorganisation Supporters Direct. Das Panel wird unter der Leitung von Jean- Luc Dehaene eine der wichtigsten Regulierungs- und Kontrollfunktionen im europäischen Fußball innehaben. Zukünftig wird es unabhängig von der UEFA die Einführung und Einhaltung der europäischen Lizenzierung kontrollieren.

Weitere wichtige Themen waren die nach wie vor fanfeindlichen Anstoßzeiten und Spieltagsgestaltungen, die weitere Entwicklung der europäischen Fanorganisation Football Supporters Europe, die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt „Fans und Polizei“ sowie das vieldiskutierte Urteil des BGH. Auch in all diesen Bereichen werden von Unsere Kurve Verbesserungen und fanfreundliche Veränderungen angestrebt und über das Treffen hinaus Lösungsansätze erarbeitet.