Arminia Supporters Club

EINER FÜR ALLE! ALLE FÜR DICH!


ASC unterwegs fĂŒr Unsere Kurve

Nicht nur Arminia Bielefeld ist momentan aufgrund finanzieller Probleme negativ in den Schlagzeilen, vielmehr befinden sich europaweit ganze Ligen in einer gefĂ€hrlichen Schuldenfalle. Der enorme Kostenfaktor „Profikader“ wird durch einzelne Preistreiber immer weiter in die Höhe getrieben, wĂ€hrend sich die Vereine immer stĂ€rker verschulden. Dass viele LandesverbĂ€nde (z.B. in England, Spanien) hierbei keine Defizitgrenze von den ihnen angeschlossenen Vereinen fordern, verschĂ€rft das finanzielle WettrĂŒsten beim Bieten um einzelne Top- Spieler und lĂ€sst das GehaltsgefĂŒge nahezu explodieren.

Um im sportlichen Wettbewerb konkurrenzfĂ€hig zu bleiben, kalkulieren und agieren darĂŒber hinaus unzĂ€hlige weitere Clubs am oder ĂŒber ihrem Limit. Das Ziel, auf europĂ€ischer Ebene erfolgreich zu spielen, erfordert dabei einen hohen finanziellen Einsatz und verspricht im Erfolgsfall entsprechende Gewinne. Die Top- Vereine der europĂ€ischen Ligen wetteifern somit unter sich um die europĂ€ische Krone, mit der viel Geld und öffentliches Interesse garantiert ist – wobei der Wettbewerb an dieser Stelle ungleicher kaum sein könnte. Auf der einen Seite stehen subventionierte, fremdfinanzierte und hochgradig verschuldete Vereine aus Ligen, die keinerlei Finanzkontrolle durchfĂŒhren – auf der anderen Seite stehen diesen nacheifernde Clubs mit auf der Rasierklinge kalkulierten Finanzierungsmodellen, die nur bei Erreichen der sportlichen Ziele zur Kostendeckung geeignet sind. Sobald jedoch der europĂ€ische Wettbewerb nicht erreicht wird, fĂŒhrt genau diese Kalkulation zum Kollaps.

Nun stehen die Top- Vereine nicht nur im europĂ€ischen Wettbewerb, sondern verursachen zeitgleich in ihren nationalen Ligen ein finanzielles Ungleichgewicht, das wiederum die mit ihnen konkurrierenden Vereine zu Ausgaben animiert, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht ungesund sind und zum Erfolg verdammen. Langfristig gesehen kann ein solcher Drahtseilakt eines ganzen Systems nicht gut gehen. Nicht jeder kann sein Ziel erreichen – es scheiden in jeder Runde der Champions- und Europaleague Vereine aus, es steigen nach jeder Saison Vereine ab, in jeder Runde der Landespokale scheiden Vereine aus. Jedes Jahr trifft es Vereine, die in der Hoffnung auf „nur ein ÜberbrĂŒckungsjahr“ die enormen Etatkosten durch Schuldenaufbau weiterhin stemmen, um die nötigen Einnahmen im Folgejahr zu generieren. SpĂ€testens wenn der sportliche Erfolg auch im zweiten Jahr nicht zurĂŒckkehrt, wird die finanzielle Schieflage so groß, dass er ohne unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Geldzuwendungen von außen nicht mehr zu kaschieren ist. Dortmund, Schalke, Union und nun leider auch Bielefeld sind hierfĂŒr nur einige Beispiele aus Deutschland, Real Sociedad und Portsmouth die entsprechenden internationalen.

Die Tatsache, dass dieses nun keine bedauerlichen EinzelfĂ€lle sind, sondern vielmehr ein erheblicher Prozentsatz der Vereine ĂŒber dem finanziellen Limit agiert, hat inzwischen ein rigoroses Umdenken eingeleitet. Unter anderem strebt die UEFA eine eigene Lizenzierung mit effektivem „Financial Fair Play“ an, um nachhaltiges und kostendeckendes Wirtschaften der Vereine kontrollieren zu können. Auf diesem Weg könnten nachsichtigere VerbĂ€nde zu mehr Disziplin gezwungen werden – dauerhaft Defizite erwirtschaftende Vereine wĂŒrden vom europĂ€ischen Wettbewerb ausgeschlossen werden.

Neben der UEFA hat auch die europĂ€ische Politik ein Interesse an gesunden Fußballligen, deren Vereine in der Lage sind, ihren sozialen und kulturellen Aufgaben gerecht zu werden. Gesellschaftspolitisch hat der Fußball in Europa traditionell einen ganz besonderen Stellenwert, der sich nur bedingt mit dem momentanen Finanzgebaren vereinbaren lĂ€sst. Deutschland ist auf europĂ€ischer Ebene schon durch die strenge Lizenzierung in der Vorbildrolle, doch auch das verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig große Engagement der Vereine fĂŒr soziale Projekte, Infrastruktur, Nachwuchsförderung und Stiftungen erfĂ€hrt viel positive Beachtung. Nichtsdestotrotz stehen auch die deutschen Vereine im oben beschrieben Konflikt, wie unter anderem das knapp 3,5 Mio- €- Loch in der Kasse unserer Arminia deutlich zeigt. Im internationalen Vergleich eine lĂ€cherliche Summe – hier reicht es jedoch fĂŒr mehr als nur schlaflose NĂ€chte aus.

Fanorganisationen warnen seit langer Zeit vor diesen Entwicklungen, bisher verhallten ihre BefĂŒrchtungen leider weitgehend ungehört angesichts der potentiell lukrativeren Zukunft. Inzwischen haben UEFA und europĂ€ische Politik das positiv regulierende und am Vereinswohl interessierte Potential der Fans schĂ€tzen gelernt und die Gefahren der momentanen Finanzentwicklung ernst genommen. Die Einbeziehung von Fans in die Entwicklung der europĂ€ischen Lizenzierung sowie die Einladung des EU- Parlaments beweisen dies eindrucksvoll.

Zu dieser Tagung im Parlament hatte der Zusammenschluss von Parlamentariern „Friends of Football“ gemeinsam mit „Supporters Direct Europe“ sowohl Fanvertreter aus 11 Nationen als auch hochrangige Vertreter von UEFA, DFL, DFB, Premier League sowie aus einzelnen Vereinen geladen. In Reden und persönlichen GesprĂ€chen wurde eine beeindruckende Übereinstimmung in den Zielen und Ansichten deutlich: Um den Fußball in seiner Gesamtheit zu schĂŒtzen, sind strikte Finanzkontrolle und Einbeziehung der Fanbasis vonnöten – Europa wird diesen Prozess unterstĂŒtzen und hat bereits die rechtlichen Weichen zur juristischen BerĂŒcksichtigung der „Besonderheiten des Sports“ gelegt.  Dies ist wichtig, sofern einzelne Vereine gegen Sanktionen (z.B. Ausschluss vom europĂ€ischen Wettbewerb) aufgrund der europĂ€ischen Lizenz klagen sollten – auch die Erfolgsaussichten fĂŒr Martin Kind, die deutsche „50+1- Regel“ gerichtlich aufheben zu lassen, werden hierdurch deutlich vermindert.

Ein ausfĂŒhrlicher Bericht der Tagung in BrĂŒssel ist hier nachzulesen:
http://www.unserekurve.de/cms/pages/posts/unsere-kurve-beim-eu-parlament76.php

All die Vorteile einer effektiven europĂ€ischen Lizenzierung kommen uns leider erst in einigen Jahren zugute – sie helfen Arminia in der momentanen Situation kein bisschen weiter.
Die aktuellen HintergrĂŒnde, mögliche Lösungswege und Ursachen der Probleme unserer Arminia fĂŒr alle Fans transparenter zu machen, ist daher unser absolut vorrangiges Ziel in den nĂ€chsten Wochen. Ohne dieses Wissen halten wir es fĂŒr unmöglich, im Rahmen der JHV sinnvolle Entscheidungen fĂŒr Arminia treffen zu können – somit sehen wir es als unsere Pflicht an, umfassende Informationen verfĂŒgbar zu machen und Mitgliedern/ Fans die Gelegenheit zu geben, sich selbst zu informieren, soweit dies in unserem Einflussbereich liegt.

 Derzeit bemĂŒhen wir uns um einen weiteren „rundum informiert“- Abend, bei dem alle Gremien des DSC vertreten sein sollen. Über Termin und Uhrzeit werden wir Euch an dieser Stelle informieren, sobald diese feststehen.