ASC unterwegs für Unsere Kurve

Nicht nur Arminia Bielefeld ist momentan aufgrund finanzieller Probleme negativ in den Schlagzeilen, vielmehr befinden sich europaweit ganze Ligen in einer gefährlichen Schuldenfalle. Der enorme Kostenfaktor „Profikader“ wird durch einzelne Preistreiber immer weiter in die Höhe getrieben, während sich die Vereine immer stärker verschulden. Dass viele Landesverbände (z.B. in England, Spanien) hierbei keine Defizitgrenze von den ihnen angeschlossenen Vereinen fordern, verschärft das finanzielle Wettrüsten beim Bieten um einzelne Top- Spieler und lässt das Gehaltsgefüge nahezu explodieren.

Um im sportlichen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, kalkulieren und agieren darüber hinaus unzählige weitere Clubs am oder über ihrem Limit. Das Ziel, auf europäischer Ebene erfolgreich zu spielen, erfordert dabei einen hohen finanziellen Einsatz und verspricht im Erfolgsfall entsprechende Gewinne. Die Top- Vereine der europäischen Ligen wetteifern somit unter sich um die europäische Krone, mit der viel Geld und öffentliches Interesse garantiert ist – wobei der Wettbewerb an dieser Stelle ungleicher kaum sein könnte. Auf der einen Seite stehen subventionierte, fremdfinanzierte und hochgradig verschuldete Vereine aus Ligen, die keinerlei Finanzkontrolle durchführen – auf der anderen Seite stehen diesen nacheifernde Clubs mit auf der Rasierklinge kalkulierten Finanzierungsmodellen, die nur bei Erreichen der sportlichen Ziele zur Kostendeckung geeignet sind. Sobald jedoch der europäische Wettbewerb nicht erreicht wird, führt genau diese Kalkulation zum Kollaps.

Nun stehen die Top- Vereine nicht nur im europäischen Wettbewerb, sondern verursachen zeitgleich in ihren nationalen Ligen ein finanzielles Ungleichgewicht, das wiederum die mit ihnen konkurrierenden Vereine zu Ausgaben animiert, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht ungesund sind und zum Erfolg verdammen. Langfristig gesehen kann ein solcher Drahtseilakt eines ganzen Systems nicht gut gehen. Nicht jeder kann sein Ziel erreichen – es scheiden in jeder Runde der Champions- und Europaleague Vereine aus, es steigen nach jeder Saison Vereine ab, in jeder Runde der Landespokale scheiden Vereine aus. Jedes Jahr trifft es Vereine, die in der Hoffnung auf „nur ein Überbrückungsjahr“ die enormen Etatkosten durch Schuldenaufbau weiterhin stemmen, um die nötigen Einnahmen im Folgejahr zu generieren. Spätestens wenn der sportliche Erfolg auch im zweiten Jahr nicht zurückkehrt, wird die finanzielle Schieflage so groß, dass er ohne unverhältnismäßige Geldzuwendungen von außen nicht mehr zu kaschieren ist. Dortmund, Schalke, Union und nun leider auch Bielefeld sind hierfür nur einige Beispiele aus Deutschland, Real Sociedad und Portsmouth die entsprechenden internationalen.

Die Tatsache, dass dieses nun keine bedauerlichen Einzelfälle sind, sondern vielmehr ein erheblicher Prozentsatz der Vereine über dem finanziellen Limit agiert, hat inzwischen ein rigoroses Umdenken eingeleitet. Unter anderem strebt die UEFA eine eigene Lizenzierung mit effektivem „Financial Fair Play“ an, um nachhaltiges und kostendeckendes Wirtschaften der Vereine kontrollieren zu können. Auf diesem Weg könnten nachsichtigere Verbände zu mehr Disziplin gezwungen werden – dauerhaft Defizite erwirtschaftende Vereine würden vom europäischen Wettbewerb ausgeschlossen werden.

Neben der UEFA hat auch die europäische Politik ein Interesse an gesunden Fußballligen, deren Vereine in der Lage sind, ihren sozialen und kulturellen Aufgaben gerecht zu werden. Gesellschaftspolitisch hat der Fußball in Europa traditionell einen ganz besonderen Stellenwert, der sich nur bedingt mit dem momentanen Finanzgebaren vereinbaren lässt. Deutschland ist auf europäischer Ebene schon durch die strenge Lizenzierung in der Vorbildrolle, doch auch das verhältnismäßig große Engagement der Vereine für soziale Projekte, Infrastruktur, Nachwuchsförderung und Stiftungen erfährt viel positive Beachtung. Nichtsdestotrotz stehen auch die deutschen Vereine im oben beschrieben Konflikt, wie unter anderem das knapp 3,5 Mio- €- Loch in der Kasse unserer Arminia deutlich zeigt. Im internationalen Vergleich eine lächerliche Summe – hier reicht es jedoch für mehr als nur schlaflose Nächte aus.

Fanorganisationen warnen seit langer Zeit vor diesen Entwicklungen, bisher verhallten ihre Befürchtungen leider weitgehend ungehört angesichts der potentiell lukrativeren Zukunft. Inzwischen haben UEFA und europäische Politik das positiv regulierende und am Vereinswohl interessierte Potential der Fans schätzen gelernt und die Gefahren der momentanen Finanzentwicklung ernst genommen. Die Einbeziehung von Fans in die Entwicklung der europäischen Lizenzierung sowie die Einladung des EU- Parlaments beweisen dies eindrucksvoll.

Zu dieser Tagung im Parlament hatte der Zusammenschluss von Parlamentariern „Friends of Football“ gemeinsam mit „Supporters Direct Europe“ sowohl Fanvertreter aus 11 Nationen als auch hochrangige Vertreter von UEFA, DFL, DFB, Premier League sowie aus einzelnen Vereinen geladen. In Reden und persönlichen Gesprächen wurde eine beeindruckende Übereinstimmung in den Zielen und Ansichten deutlich: Um den Fußball in seiner Gesamtheit zu schützen, sind strikte Finanzkontrolle und Einbeziehung der Fanbasis vonnöten – Europa wird diesen Prozess unterstützen und hat bereits die rechtlichen Weichen zur juristischen Berücksichtigung der „Besonderheiten des Sports“ gelegt.  Dies ist wichtig, sofern einzelne Vereine gegen Sanktionen (z.B. Ausschluss vom europäischen Wettbewerb) aufgrund der europäischen Lizenz klagen sollten – auch die Erfolgsaussichten für Martin Kind, die deutsche „50+1- Regel“ gerichtlich aufheben zu lassen, werden hierdurch deutlich vermindert.

Ein ausführlicher Bericht der Tagung in Brüssel ist hier nachzulesen:
http://www.unserekurve.de/cms/pages/posts/unsere-kurve-beim-eu-parlament76.php

All die Vorteile einer effektiven europäischen Lizenzierung kommen uns leider erst in einigen Jahren zugute – sie helfen Arminia in der momentanen Situation kein bisschen weiter.
Die aktuellen Hintergründe, mögliche Lösungswege und Ursachen der Probleme unserer Arminia für alle Fans transparenter zu machen, ist daher unser absolut vorrangiges Ziel in den nächsten Wochen. Ohne dieses Wissen halten wir es für unmöglich, im Rahmen der JHV sinnvolle Entscheidungen für Arminia treffen zu können – somit sehen wir es als unsere Pflicht an, umfassende Informationen verfügbar zu machen und Mitgliedern/ Fans die Gelegenheit zu geben, sich selbst zu informieren, soweit dies in unserem Einflussbereich liegt.

 Derzeit bemühen wir uns um einen weiteren „rundum informiert“- Abend, bei dem alle Gremien des DSC vertreten sein sollen. Über Termin und Uhrzeit werden wir Euch an dieser Stelle informieren, sobald diese feststehen.

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